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Rechte optische Spalte

Dritte Spalte


24.06.
Sonnwendfeuer in Gehren

bis 24.10.

Ausstellung
"Natur und Mee(h)r" - Öl auf
Leinwand von Hartmut Kemter

Weitere Veranstaltungen auf:
www.www-tour.com

letzte Datenaktualisierung:
2017-06-22, 15:14:47

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Das Gehrener Schloss

Alte Ansicht des Schlosses Die Gehrener Ortsgeschichte hängt untrennbar mit der des Schlosses zusammen. Vermutlich erhielten die Ritter von Berlstedt zu Jesuborn den Auftrag zum Bau eines Wartturmes mit der Aufgabe, den nordwestlich Jesuborns vorbeiziehenden Kaufmannszügen im Bereich Gräfinau - Großbreitenbach Schutz und Geleit zu gewähren. Wann genau dies geschah, ist derzeit noch nicht durch Urkunden belegbar. Es ist jedoch anzunehmen, dass die Geschichte des Schlosses im 11. oder 12. Jahrhundert begann.

Um den Wartturm herum entstanden bald die ersten Bürgerhäuser von Gehren. Alte Ansicht der Stadt mit Schloss Durch verwandtschaftliche Beziehungen, Vererbung, Belehnung und Kauf konnten die Grafen und späteren Fürsten von Schwarzburg nach und nach das gesamte Territorium der späteren Schwarzburger Fürstentümer, darunter auch den Ort Gehren und das Schloss, auf sich vereinigen.

Das Gehrener Schloss war von den Schwarzburgern immer als Sommerresidenz und Jagdschloss ausgebaut und intensiv genutzt worden. Dabei hatte Gehren zwar als Amt eine überregionale Bedeutung, war jedoch nie dauerhafte Residenzstadt einer Schwarzburger Linie.

Das Schlossgebäude bestand in seiner Endform aus vier massiven Alte Ansicht des Schlosshofs dreistöckigen Flügeln mit einer Höhe von ca. 15 Metern, die (bis auf eine kleine Ausnahme) jeweils parallel zueinander lagen. Die Ausnahme bildete der Ostteil des Nordflügels, der leicht zur Hofmitte hin abgewinkelt war. Dies hat möglicherweise seine Ursache in der Einbeziehung des ursprünglichen Wartturmes in die Architektur. Den gesamten Komplex umgab ein Wallgraben mit einer teilweise beträchtlicher Tiefe und Breite von über 10 Metern. Der Wallgraben wurde über einen Flutgraben mit Wehr von einer nahen Mühle aus mit Wasser versorgt. Nur über drei kleine Holzbrücken für Fußgänger und eine steinerne Brücke für Fahrzeuge ließ sich diese mittelalterliche Schutzeinrichtung überwinden.

Alte Ansicht des Schlossportals Einige der vielen interessanten architektonischen Elemente des Schlosses blieben bis heute erhalten. Zu ihnen zählt der Haupteingang im Nordflügel. Das markante, schwere Portal der Einfahrt, das nach den originalen Vorlagen restauriert wurde, besteht aus zwei großen hölzernen Torflügeln und einer kleineren Tür im rechten Flügel. Es trägt ein modifiziertes "Kleines Schwarzburger Wappen". Die ebenfalls erhaltene Außenfassade der Toreinfahrt besteht aus Buckelsteinquadern und ist im Renaissancebaustil gehalten. Vier dorische Pilaster (Reliefsäulen) tragen einen dorischen Fries. Restauriertes Schlossportal Rechts und links vom Tor befinden sich Kanonenmundlöcher, hinter denen bronzene Kanonen symbolisch Aufstellung fanden. Die Toreinfahrt selbst ist als Rundbogen gemauert. Dabei besteht das vordere heute noch erhaltene Drittel der Decke aus kunstvollen Ziegelstein-Ornamenten.

Die vier Flügel schlossen den mit Natursteinen gepflasterten Hof mit einer Fläche von ca. 30 Meter mal 26,5 Meter ein. Hier waren die Gebäudemauern zum großen Teil mit wildem Wein und Efeu bewachsen und boten daher einen besonders malerischen Anblick.

 

Alte Ansicht des Schlossbrunnens In der Mitte des Schlosshofes stand eines der Wahrzeichen des Schlosses: der Brunnen, ein Geschenk an das Fürstenpaar Karl Günther und Marie zur Silberhochzeit am 12. Juni 1894. Auf einem roten Steinsockel war ein filigran geschmiedeter Aufsatz mit dem Reichsadler an der Spitze in sechs Metern Höhe befestigt, die Schmiedearbeit der Kuppel trug Blätterarabesken, Sonnenblumen, Wappen und Laternen in schönstem Jugendstil. Während der Restaurierungsarbeiten 1997 wurden Brunnensockel und Aufsatz in unvollständigem Zustand und stark beschädigt unter eingestürztem Mauerwerk wiederentdeckt.

In der Südwestecke des Schlosshofes erhob sich in den Hof vorgebaut der um das Jahr 1574 in seiner endgültigen Form errichtete Turm mit Repetieruhr. Diese Uhr war weithin sichtbar und schlug jede Viertelstunde, der Stundenschlag wurde nach 5 Minuten wiederholt.

Das Portal auf der Hofseite des Haupteinganges war wie die Frontseite im dorischen Baustil gehalten. Sein Bogen bestand gleichfalls aus Buckelsteinquadern und wurde von zwei Hermen getragen, die heute nur noch in Fragmenten erhalten sind. Das Hauptportal mit seinen beiden Fassaden und die steinerne Brücke über den Wallgraben sind nicht durch die Gründer des Schlosses, die Grafen von Berlstedt, errichtet worden, sondern erst um 1600 durch vier Schwarzburger Grafenbrüder. Eine genauere Datierung mit Hilfe der Steinmetzzeichen in diesem Bereich steht noch aus, es ist aber anhand der erkennbaren Baugeschichte zu vermuten, dass das Portal auf wesentlich ältere Mauern aufbaute und bis in jüngste Zeit noch mehrfach verändert wurde.

Alte Ansicht des Hirschsaals Im Westflügel des Schlosses konnte man die wohl bekannteste Sehenswürdigkeit bewundern: den Hirschsaal. Der zweistöckige Rokokosaal mit von Säulen getragener Galerie enthielt über 200 zum Teil wertvolle und seltene Hirschgeweihe, Trophäen fürstlicher Jagden in den Wäldern um Gehren. Die untere Etage des Raumes war mit 51 Geweihen an den Wänden ausgestattet, weiterhin befanden sich 36 an der Galeriebrüstung sowie 49 an den Wänden der oberen Etage. Als die Wände schon nicht mehr ausreichten, mussten die besonders großen Stücke auf dem Fußboden ausgelegt werden. Sogar der Kronleuchter mit seinem Durchmesser von drei Metern bestand aus über 40 ineinander geflochtenen Geweihen. An den Stirnseiten waren die Gemälde des letzten Gehrener Fürstenpaares, des Fürsten Karl Günther von Schwarzburg-Sondershausen und seiner Frau Marie, angebracht. Auch diese Gemälde können heute in der Gehrener Stadtkirche besichtigt werden, Kopien befinden sich im Gehrener Stadt- und Schlossmuseum.

Wenige Meter vom Turm entfernt befand sich auf der Hofseite ein architektonisches Kleinod: der Eingang zur Rüstkammer. Das im Renaissancebaustil gehaltene Portal stellt unter anderem Adam und Eva dar. Es stammte aus der Ruine des Arnstädter Stadtschlosses Neideck und wurden 1881 im Gehrener Schloss eingebaut. Einige Teile dieses Portals wurden 1997 bei Restaurierungsarbeiten in recht gutem Zustand wieder gefunden.

Ein bekanntes Stück aus dem Schloss ist das Gehrener Trinkhorn. Es besteht aus dem gebogenen Horn eines Steinbocks und hat an der Außenkante eine Länge von ca. einem Meter. In die Öffnung wurde ein vergoldeter silberner Becher eingelassen, am Rand verläuft ein Silberbeschlag mit Jagdszenen, Wappen und römischen Münzen. Das Trinkhorn wurde vermutlich zwischen 1591 und 1605 angefertigt. Das Trinkhorn befindet sich heute im Besitz der Stadt Gehren.

Die berühmte Puppensammlung "Mon Plaisir", die heute im Arnstädter Schlossmuseum liebevoll restauriert und originalgetreu aufgebaut ist, befand sich von 1881 bis 1930 im Gehrener Schloss und war dort zeitweise für die Öffentlichkeit zugänglich. Angefertigt von den Hofdamen und Handwerkern der Fürstin Augusta Dorothea von Schwarzburg-Arnstadt (1666-1751), besteht sie aus über 2600 Einzelgegenständen und 400 Figuren von ca. 20 bis 30 cm Höhe.

Schlossruine Gehren Nach Auflösung der Fürstentümer zu Beginn der Weimarer Republik ging das Eigentum am Gehrener Schloss an das neu gegründete Land Thüringen über. Das Gebäude wurde als Wohnhaus und teilweise für Unterrichtszwecke genutzt. Am 11. September 1933 vernichtete ein Großbrand den gesamten Komplex bis auf die Grundmauern. Die Ursachen des verheerenden Brandes waren nach heutiger Kenntnis schwere technische Mängel des Gebäudes sowie fahrlässiger Umgang mit offenem Feuer. Einige Schornsteine waren baufällig und wurden nicht korrekt betrieben, auch bestanden die Deckenfüllungen aus Sägemehl. Brandmauern usw. fehlten vollständig, daher hatte auch die Feuerwehr trotz ihres massiven Einsatzes keine Chance gegen das Feuer.

Ein teilweiser Wiederaufbau, der anfangs durchaus möglich gewesen wäre und von der Stadt Gehren auch intensiv angestrebt wurde, scheiterte jahrelang an der zu geringen Finanzkraft der Stadt Gehren und staatlicher Stellen. Später trug die Kriegswirtschaft in Deutschland dazu bei, dass die verschiedenen Projekte zur Rettung des Gebäudes nicht mehr realisiert werden konnten. So blieb Anfang der 40er Jahre nur noch der Abriss der meisten Gebäudeteile bis auf die heute noch bestehende Schlossruine.

Schlossruine im Winter Die Trauer über den Verlust des Gehrener Wahrzeichens und die spätere Hilflosigkeit bei den unzähligen Versuchen zur Rettung des Gebäudes sind jedoch in den letzten Jahren konkreten Sanierungsmaßnahmen gewichen. Erstmals seit dem Brand war die Stadt Gehren mit Unterstützung verschiedener staatlicher Stellen in der Lage, die noch stehenden Reste der Ruine dauerhaft für die Nachwelt zu erhalten. Ziel ist dabei die möglichst unverfälschte Sicherung der noch brauchbaren Mauerreste sowie in Ausnahmefällen die Ergänzung fehlender Mauerteile, soweit es für die Stabilität erforderlich ist.


Im Rahmen dieser Restaurierungsbemühungen erfolgte 1997 der erste Spatenstich am Hauptportal. Es war höchste Zeit, denn gerade in den Jahren zuvor hatte der Verfall der Mauern so stark zugenommen, dass der Einsturz des gesamten Portals zu befürchten war. Die Front neigte sich bereits um mehrere 10 cm nach vorn, möglicherweise auch eine Folge zunehmenden Schwerlastverkehrs.

Um nichts zu beschädigen, erfolgte die Schachtung in den Trümmerbergen meist per Hand, und so ließ sich der Brunnensockel, der schmiedeeiserne Aufsatz, Teile des Portals der Rüstkammer und einige andere Architekturelemente ohne zusätzliche Beschädigungen bergen.

Schlosspark Eingestürztes Mauerwerk wurde an den statisch und optisch wichtigen Stellen fachgerecht und mit ausreichend vorhandenem Originalmaterial neu aufgemauert, und am 15. Oktober 1998 konnte endlich ein Stahlbetondach als Schutz auf das Portal gesetzt werden. Außerdem wurde die Fassade mit dem dahinter liegenden Mauerwerk durch Anker verbunden. Von außen ist von alldem nichts zu sehen, so dass der originale Gesamteindruck nicht verändert wird.

Auch in Zukunft werden die Restaurierungsarbeiten auf dem Schlossgelände, im Park und am nahe gelegenen Marstall weiter gehen, um den Komplex weiter zu einem historischen und kulturellen Zentrum Gehrens zu entwickeln.

 

Text und Fotos mit freundlicher Genehmigung von Olaf Batke